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Landgestüt Celle

Abschied von Espri

Espri an seinem 30. Geburtstag mit Züchtersohn Rolf Deecke und seinem langjährigen Betreuer und Deckstellenvorsteher Peter Krause. (Foto: Marianne Schwöbel)
Espri - Hannoveraner Hengst des Jahres 1995 (Foto: Werner Ernst)
Espri (Foto: Bernd Eylers)
Espri im hohen Alter. (Foto: Marianne Schwöbel)
Noch im Februar konnten wir den 30. Geburtstag unseres ältesten Landbeschälers feiern – Espri ließ sich das liebgewonnene frische Ei über dem Hafer schmecken. Doch bereits zu Beginn der Decksaison fiel dem Hengst das Springen auf das Phantom schwer, so dass wir uns entschlossen, Espri aus dem Frischsameneinsatz zu nehmen. Da der ein wenig eigenwillige, dafür aber umso sympathischere Fuchshengst aber ansonsten eher zur Kategorie rüstiger Rentner gehörte, sollte er seinen Lebensabend auf dem Landgestüt verbringen. Ein spezielles Seniorenmüsli, der tägliche Paddockgang und liebevolle Pflege waren nun vorrangig in seinem Leben. In den letzten Tagen verschlechterte sich sein Gesundheitszustand plötzlich und so rapide, dass Espri heute Vormittag nach einem multiplen Organversagen erlöst wurde.
Espri zu beschreiben, bedeutet Superlativen zu benutzen. Er war ein Hengst von unglaublicher Präsenz und einem schier unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Züchtersohn Rolf Deecke erinnert sich noch gut an den Versuch, das mehr als kecke Hengstfohlen mit seinem Vater Rolf Deecke sen. auf einer Fohlenschau vorzustellen. Es existiert wohl nur ein Bild aus seinem Geburtsjahr, auf dem Espri willig an der Hand geht – alle anderen Bilder zeigen ein vor Energie und Tatendrang sprühendes Fohlen. Espri war etwas Besonderes und er wusste dies ziemlich genau. Als einziges Fohlen der Diplomatin v. Diplomat – Lukas hat er laut dem Ehepaar Deecke seine Charakteristika von der Mutter. Das Antreten mit unbändiger Energie, das Temperament und das energische Auftreten. Auf der Fohlenschau irgendwo gesittet in einer Reihe laufen zu müssen, war einfach nicht nach seinem Geschmack. Er war erst zufrieden, wenn er an der Spitze lief. Der damalige Landstallmeister Dr. Burchard Bade fand jedoch Gefallen an dem Charakterkerlchen, der schon damals durch ein hervorragendes Fundament zu begeistern wusste. Somit genoss Espri seine Jugendzeit im Hengstaufzuchtgestüt Hunnesrück und begann seine Karriere in der Leistungsprüfung. Fragt man die Gestüter, die ihn in seinem elfmonatigem Test unter dem Sattel hatten, nach dem Hengst, so kommt erst einmal ein verstohlenes Lächeln und dann die Aussage, dass der Rekord bei ca. 30 unfreiwilligen Abflügen vom Rücken des jungen Beschälers bestünde. Dabei wurden wohl auch nicht die höheren Dienstgrade verschont. Doch es muss ja funktioniert haben, denn Espri absolvierte eine gute Prüfung, wurde in den Beschälerbestand übernommen und war zeitlebens im hohen Norden (Loxstedt 1985 - 1992, Dorum 1993 – 2011) stationiert. Und er hielt die Erwartungen, die der Landstallmeister in die Vererbung dieses mittelrahmigen Fuchses legte – Espri arbeitete sich mit seiner vielseitigen Vererbung in die Spitzengruppe der besten Sportpferdevererber vor. Zu Recht galt er bis zum heutigen Tag als der Stammhalter der hannoverschen A/E-Linie. Espri ist der bedeutendste Sohn des Eiger I und schaffte das Kunststück, vor seinem Vater mit der höchsten Auszeichnung des Hannoveraner Verbandes geehrt zu werden. Im Jahr 1995 wurde Espri zum Hannoveraner Hengst des Jahres gekürt, sein Vater folgte ihm im Jahr 1999. Sein Vererbungsschwerpunkt liegt im Springen, doch Olympioniken stellte er in beiden Disziplinen. Elvis/Nadine Capellmann trugen 2008 in Hongkong zum Mannschaftsgold in der Dressur bei, E.T. FRH/Hugo Simon vertraten Österreich 1996 in Atlanta. Der siegeshungrige E.T. FRH ist wohl auch der weltweit bekannteste Nachkomme des Espri. Der kleine Fuchswallach verdiente im Parcours über 3,2 Millionen Euro und gilt damit als das gewinnreichste Springpferd der Welt. Seine Erfolgsliste reicht vom Sieg im Hamburger Derby 1995, über diverse Titel auf internationalen Championaten bis hin zu zwei Weltcup-Siegen. Aber auch weitere Kinder des Espri sammelten Siegeslorbeer auf internationalem Parkett: Elwood/Carsten-Otto Nagel, That’s me (alias Enette)/Andreas Knippling, Edgar/Heinrich Hermann Engemann, Egano/Jessica Kürten oder auch Easterlight/Katharina Offel sind internationale Parcoursspezialisten. Im Viereck stellte Espri mit Eastman/Stefanie Munstermann-Zurhorst, Sini Spirit/Emana Kanerva und Esprit De Valde/Jon D. Petersen auf Grand Prix Niveau erfolgreiche Sportler. Von den 661 eingetragenen Sportpferden sind über 300 in den Kl. M und S im Viereck und im Parcours erfolgreich, davon 80 Springpferde in schweren Kursen und 12 Nachkommen in S-Dressuren. Diese lassen ihren Vater zum Nachkommengewinnsummen-Millionär werden: 2.272.857 Euro weisen die Statistiken aus!
20 gekörte Söhne entspringen Espri’s züchterischem Einsatz, wovon Escudo I sich zum herausragenden Stammhalter entwickelt hat. Escudo I steht ganz im Zeichen seiner väterlichen Vorfahren. Mit dem Ritterschlag zum Hannoveraner Hengst des Jahres 2009 wurde seine durchschlagende Vererbung vom Hannoveraner Verband honoriert und der Espri-Sohn setzt die Tradition des Titelgewinns von Vater und Großvater fort. Espri’s Erbe werden sein Sohn Escudo, seine Enkel Embassy I (Grande-Preisträger 2010), El Bundy I und Earl sowie inzwischen sein Urenkel Edward bewahren und eine der vielseitigsten, leistungsbetonten hannoverschen Linie weiterhin mit Leben füllen.
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